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Ratgeber · Figuren

Figuren entwickeln: Steckbrief, zwölf Fragen und der Figurenbogen

Leserinnen vergessen Handlungen, aber sie erinnern sich an Figuren. Eine lebendige Figur entsteht nicht aus einer langen Liste von Eigenschaften, sondern aus einem Widerspruch zwischen dem, was sie will, und dem, was sie braucht. So baust du Figuren auf, die tragen.

Iron SalehAktualisiert am 4 Min. Lesezeit

01Ziel, Bedürfnis und Fehlglaube

Drei Begriffe helfen mehr als jeder Fragebogen:

  • Ziel: Was will die Figur erreichen? Das Ziel ist äußerlich und sichtbar: eine Beförderung, eine Rettung, eine Rache.
  • Bedürfnis: Was braucht die Figur wirklich, oft ohne es zu wissen? Vertrauen, Vergebung, Mut zur eigenen Stimme.
  • Fehlglaube: Welche falsche Überzeugung hält sie davon ab? Er stammt oft aus einer Verletzung in ihrer Vorgeschichte.

Ein Beispiel: Mara, Kartografin, will die Leitung des Vermessungsamts. Sie braucht es, ihrem eigenen Urteil zu trauen. Sie glaubt, nur fehlerlose Arbeit mache sie wertvoll, seit ihr Vater jeden Fehler bemerkt hat. Die Handlung zwingt sie, zwischen Ziel und Bedürfnis zu wählen, und genau dort entsteht Spannung.

02Steckbrief-Vorlage für Romanfiguren

Ein Steckbrief ist ein Nachschlagewerk, kein Pflichtformular. Fülle nur aus, was die Geschichte braucht, und ergänze beim Schreiben:

Steckbrief mit Beispiel
FeldBeispiel Mara
Name und weitere NamenMara Lenz; „Lenzin“ im Amt; Maras (Genitiv)
Alter34
Aussehen, nur das Wichtigegraue Augen, Narbe am linken Handrücken
Herkunft und BerufHafenstadt; Kartografin im Vermessungsamt
ZielLeitung des Vermessungsamts
Bedürfnisdem eigenen Urteil trauen
FehlglaubeNur Fehlerlosigkeit macht mich wertvoll.
Stärken und Schwächengenau, ausdauernd; kann nichts abgeben
Sprechweiseknapp, fragt nach, flucht nie
BeziehungenVater (Vorbild und Last), Jonas (Kollege, Rivale)
Wissenweiß ab Kapitel 9 vom verschwiegenen Dorf
Veränderungvon der Perfektionistin zur Entscheiderin

03Zwölf Fragen an jede Hauptfigur

  1. Was will sie, und bis wann?
  2. Was passiert, wenn sie es nicht bekommt?
  3. Was braucht sie eigentlich?
  4. Welche falsche Überzeugung steht ihr im Weg, und woher kommt sie?
  5. Wovor hat sie am meisten Angst?
  6. Was würde sie niemals tun, und was bringt sie am Ende doch dazu?
  7. Was verbirgt sie vor anderen, was vor sich selbst?
  8. Wie spricht sie, wenn sie wütend ist, und wie, wenn sie lügt?
  9. Wen liebt sie, wem schuldet sie etwas?
  10. Was macht sie an einem gewöhnlichen Dienstag?
  11. Was weiß sie zu Beginn nicht, das die Leserin schon ahnt?
  12. Wer ist sie am Ende, das sie am Anfang nicht war?

04Der Figurenbogen

Der Figurenbogen beschreibt, wie sich eine Figur verändert. Drei Grundformen sind verbreitet:

  • Positiver Bogen: Die Figur überwindet ihren Fehlglauben und gewinnt, was sie braucht, manchmal auf Kosten dessen, was sie wollte.
  • Negativer Bogen: Die Figur hält am Fehlglauben fest oder verfällt einem neuen; die Geschichte endet tragisch.
  • Flacher Bogen: Die Figur bleibt sich treu und verändert stattdessen ihre Umgebung. Viele Krimi- und Serienfiguren funktionieren so.

Verknüpfe die Wendepunkte deines Plots mit dem Bogen: An jedem Wendepunkt sollte die Figur eine Entscheidung treffen, die zeigt, wo sie auf ihrem Weg steht. Wie du diese Wendepunkte planst, steht im Ratgeber Plot planen.

05Antagonisten mit nachvollziehbarem Ziel

Ein guter Gegenspieler hält sich selbst für die Hauptfigur seiner eigenen Geschichte. Gib ihm ein Ziel, das aus seiner Sicht vernünftig ist, und einen Grund, warum er nicht nachgeben kann. Besonders stark wirkt ein Antagonist, der die Hauptfigur spiegelt: dieselbe Wunde, aber eine andere Antwort darauf.

06Nebenfiguren, die nicht blass bleiben

  • Gib jeder wichtigen Nebenfigur ein eigenes kleines Ziel, das mit dem der Hauptfigur kollidieren kann.
  • Ein markantes Merkmal reicht oft: eine Redewendung, eine Geste, eine Gewohnheit.
  • Vermeide ähnliche Namen. Figuren mit demselben Anfangsbuchstaben oder gleicher Silbenzahl verwechseln Leser leicht.
  • Fasse Nebenfiguren zusammen, wenn zwei dieselbe Aufgabe in der Geschichte erfüllen.

07Figuren in Eloir

In Eloir Plus legst du Figuren im Wissen an, mit frei benennbaren Feldern statt starrer Vorlage, weiteren Namen, Referenzbildern und Beziehungen. Klickst du im Manuskript auf einen Namen, auch in der Genitivform, öffnet sich die Schnellansicht der Figur, ohne dass du den Text verlässt.

Feste Fakten wie Augenfarbe oder Narbe hältst du mit Fundstelle fest. Die Kontinuitätsprüfung meldet dann, wenn der Text später etwas anderes sagt, und berücksichtigt, was eine Figur ab welcher Szene weiß. Mehr dazu im Ratgeber Kontinuitätsfehler vermeiden.

08Häufige Fragen

Wie viele Hauptfiguren sollte ein Roman haben?

Die meisten Romane tragen eine bis drei Figuren mit eigener Perspektive. Mehr ist möglich, verlangt aber, dass jede Perspektive eine eigene Frage der Geschichte beantwortet.

Wie beschreibe ich das Aussehen einer Figur, ohne eine Liste abzuarbeiten?

Zeige ein, zwei auffällige Merkmale in Bewegung, durch die Augen einer anderen Figur oder in einer Handlung. Die Leserin ergänzt den Rest selbst.

Wie finde ich passende Namen?

Achte auf Zeit, Herkunft und Milieu der Figur und darauf, dass sich die Namen der wichtigsten Figuren deutlich unterscheiden: im Anfangsbuchstaben, in der Länge und im Klang.

Geschrieben vonIron SalehGeschäftsführer der NorthProfit UG, verantwortlich für Eloir

Iron Saleh führt die NorthProfit UG in Düsseldorf und verantwortet Eloir, den Schreibraum für Romane. Die Ratgeber entstehen aus der Arbeit am Produkt und aus den Fragen von Autorinnen und Autoren.

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