01Plotter oder Bauchschreiber?
Plotter planen ihre Geschichte vorab bis zur einzelnen Szene. Bauchschreiber beginnen mit einer Figur und einer Situation und finden die Handlung beim Schreiben. Die meisten liegen irgendwo dazwischen.
Beide Wege haben typische Risiken: Plotter verlieren manchmal die Lebendigkeit, weil der Plan wichtiger wird als die Figuren. Bauchschreiber verirren sich oft in der Mitte und schreiben viele Szenen, die später gestrichen werden. Ein leichtes Gerüst aus wenigen Eckpunkten hilft beiden.
02Die Drei-Akt-Struktur
Die Drei-Akt-Struktur teilt eine Geschichte in Anfang, Mitte und Ende, mit Wendepunkten dazwischen. Die Prozentangaben sind Richtwerte, keine Regeln:
| Abschnitt | Ungefähr | Was passiert |
|---|---|---|
| Akt 1: Aufbau | 0–25 % | Figur und Alltag, auslösendes Ereignis, die Figur trifft eine Entscheidung |
| Erster Wendepunkt | um 25 % | Kein Zurück mehr: Die Figur betritt die neue Situation |
| Akt 2: Konfrontation | 25–75 % | Hindernisse, Verbündete und Gegner; die Lage spitzt sich zu |
| Mittelpunkt | um 50 % | Eine Enthüllung oder Wende ändert die Richtung |
| Zweiter Wendepunkt | um 75 % | Tiefpunkt oder Krise: Alles scheint verloren |
| Akt 3: Auflösung | 75–100 % | Höhepunkt, Entscheidung, neue Normalität |
Der zweite Akt ist der längste und der schwierigste. Der Mittelpunkt hilft, ihn in zwei überschaubare Hälften zu teilen: vorher reagiert die Figur, danach handelt sie.
03Die Heldenreise
Die Heldenreise geht auf Joseph Campbells Mythenforschung zurück; für Autorinnen und Drehbuchautoren hat Christopher Vogler sie in zwölf Stationen gefasst:
- Die gewohnte Welt
- Der Ruf des Abenteuers
- Die Weigerung
- Die Begegnung mit dem Mentor
- Das Überschreiten der ersten Schwelle
- Bewährungsproben, Verbündete und Feinde
- Das Vordringen zur tiefsten Höhle
- Die entscheidende Prüfung
- Die Belohnung
- Der Rückweg
- Die Auferstehung
- Die Rückkehr mit dem Elixier
Die Heldenreise passt besonders gut zu Fantasy, Abenteuer und Coming-of-Age. Nimm sie als Landkarte, nicht als Checkliste: Nicht jede Geschichte braucht einen Mentor, und manche Stationen dürfen zusammenfallen.
04Szenenkarten: Planen mit beweglichen Teilen
Szenenkarten sind der praktischste Weg vom Gerüst zum Manuskript. Jede Karte steht für eine Szene und beantwortet vier Fragen:
- Wer erzählt die Szene, aus wessen Sicht?
- Was will die Figur in dieser Szene?
- Was steht im Weg, und wie endet der Konflikt?
- Was ist danach anders? Szenen ohne Veränderung sind Kandidaten zum Streichen.
Weil Karten beweglich sind, kannst du Reihenfolgen ausprobieren, Handlungsstränge farbig markieren und Lücken sehen, bevor du hundert Seiten geschrieben hast. In Eloir Plus liegen die Karten auf einem Szenenboard, und jede Karte ist zugleich die Szene in deinem Manuskript: Verschiebst du eine Karte, ändert sich die Lesereihenfolge. Du pflegst nichts doppelt.
05Erzählreihenfolge und Chronologie trennen
Sobald eine Geschichte Rückblenden, Zeitsprünge oder parallele Handlungen hat, gibt es zwei Reihenfolgen: die, in der Leser die Szenen lesen, und die, in der die Ereignisse tatsächlich passieren. Wer beide getrennt führt, vermeidet Fehler wie eine Figur, die am Dienstag etwas erfährt, das erst am Donnerstag geschieht.
Eloir hält dafür neben der Lesereihenfolge einen eigenen Zeitstrahl und ein Storynetz nach Handlungssträngen. Welche Fehler dabei typischerweise entstehen, zeigt der Ratgeber Kontinuitätsfehler vermeiden.
06Ein Vorgehen, das für fast alle funktioniert
- Schreib deine Prämisse in einem Satz auf (Figur, Ziel, Hindernis, Einsatz).
- Lege fünf Eckpunkte fest: Anfang, erster Wendepunkt, Mitte, Krise, Ende.
- Ergänze zwischen den Eckpunkten Szenenkarten, nur so viele, wie du gerade siehst.
- Schreib los. Neue Ideen werden neue Karten, nicht neue Pläne.
- Prüfe nach jedem Akt: Treibt jede Szene die Handlung oder die Figur voran?
07Häufige Fragen
Welche Plotstruktur ist die beste?
Keine ist für alle Geschichten die beste. Die Drei-Akt-Struktur passt fast immer als grobes Gerüst; die Heldenreise liegt nahe bei Fantasy und Abenteuer. Wichtig ist, dass Wendepunkte die Figur zu Entscheidungen zwingen.
Wie viele Szenen hat ein Roman?
Oft zwischen 50 und 100, je nach Länge und Tempo. Eine Szene umfasst häufig 1.000 bis 3.000 Wörter; kurze, schnelle Szenen sind in Thrillern üblich, lange in literarischen Romanen.
Muss ich jede Szene vorher planen?
Nein. Ein Gerüst aus fünf Eckpunkten reicht vielen. Szenen kannst du planen, kurz bevor du sie schreibst, oder im Nachhinein als Karten festhalten.
