01Das Eisberg-Prinzip
Von deiner Welt sieht die Leserin nur die Spitze. Darunter liegt, was du weißt: Geschichte, Wirtschaft, Glaube, Geografie. Dieses Wissen wirkt, auch wenn es nie ausgesprochen wird, weil Figuren sich danach verhalten.
Die Gefahr ist die umgekehrte: monatelanges Weltbauen ohne eine geschriebene Szene. Baue zuerst, was die Handlung direkt berührt, und erweitere die Welt dort, wo die Geschichte hingeht.
02Regeln für Magie und Technik
Magie und fortgeschrittene Technik brauchen Grenzen und Kosten. Ohne Grenzen löst sie jedes Problem, und Spannung verschwindet. Der Fantasy-Autor Brandon Sanderson hat das sinngemäß so formuliert: Wie gut Magie einen Konflikt lösen darf, hängt davon ab, wie gut die Leser sie verstehen.
- Was kann sie? Und was ausdrücklich nicht?
- Was kostet sie? Kraft, Zeit, Gesundheit, Erinnerungen, Geld?
- Wer hat Zugang? Und was macht das mit der Gesellschaft?
- Was geschieht bei Fehlern? Unfälle zeigen Regeln oft besser als Erklärungen.
03Geografie, Wege und Reisezeiten
Geografie ist mehr als Kulisse. Gebirge trennen Kulturen, Flüsse verbinden Handelsstädte, Klima bestimmt, was angebaut und gegessen wird. Wenn du weißt, woher der Regen kommt, weißt du auch, wo Wüsten liegen.
Ein häufiger Fehler sind unmögliche Reisen: Eine Figur durchquert an einem Nachmittag ein Land, für das eine andere drei Wochen brauchte. Zu Fuß schafft ein Mensch auf Dauer etwa 20 bis 30 Kilometer am Tag. Lege Entfernungen einmal fest und rechne Reisezeiten nach, bevor die Leserin es tut.
04Gesellschaft, Macht und Alltag
Glaubwürdige Gesellschaften entstehen aus wenigen Grundfragen:
- Wer hat Macht, und warum wird sie akzeptiert?
- Was ist knapp, und wer kontrolliert es?
- Woran glauben die Menschen, und was ist verboten?
- Wie verdient eine gewöhnliche Person ihr Brot, was isst sie, wie grüßt sie?
Gerade der Alltag macht eine Welt lebendig: eine Münze mit dem Gesicht eines gestürzten Königs, ein Fluch, den alle benutzen, ohne seine Herkunft zu kennen.
05Geschichte und Chronologie
Die Vergangenheit deiner Welt erklärt ihre Gegenwart: alte Kriege, Grenzen und Feindschaften. Führe eine einfache Zeitleiste mit den wichtigsten Ereignissen und den Geburtsjahren deiner Figuren. So vermeidest du, dass eine Figur sich an einen Krieg erinnert, der vor ihrer Geburt endete.
Für die Handlung selbst gilt dasselbe: Rückblenden und parallele Stränge brauchen eine eigene Chronologie neben der Lesereihenfolge. Mehr dazu im Ratgeber Plot planen.
06Namen und Sprachen
Namen verraten Herkunft. Gib jeder Kultur eigene Klangregeln, etwa bestimmte Endungen oder Laute, und bleib dabei. Achte darauf, dass Namen aussprechbar bleiben und sich die wichtigsten deutlich unterscheiden. Eine eigene Sprache musst du nicht erfinden; ein paar konsequent genutzte Wörter wirken oft stärker.
07Zeigen statt erklären: Infodumps vermeiden
- Erkläre die Welt nur, wenn eine Figur die Information in diesem Moment braucht.
- Lass Konflikte die Regeln zeigen: Ein gescheiterter Zauber sagt mehr als ein Lehrbuchabsatz.
- Vertraue der Leserin. Ein unbekanntes Wort im richtigen Zusammenhang versteht sie ohne Fußnote.
- Streiche Erklärungen, die zweimal vorkommen. Wiederholung ist oft ein Zeichen, dass der Szene etwas fehlt.
08Karten für deine Welt
Eine Karte hilft dir beim Schreiben, auch wenn sie nie ins Buch kommt: Sie zeigt Entfernungen, Grenzen und Wege auf einen Blick. Für Leserinnen ist sie ein Versprechen, dass die Welt größer ist als die Geschichte.
Eloir Plus enthält ein Kartenatelier mit frei gezeichneten Ebenen für Land, Wasser, Gelände, Straßen, Routen, Grenzen und Orte. Orte auf der Karte verknüpfst du mit deinem Weltwissen und mit Szenen; daraus entsteht auf Wunsch die Erzählroute in Szenenreihenfolge. Exportiert wird druckfähig als SVG oder PNG in 4K, im Hoch-, Quer- oder Quadratformat.
09Checkliste für deine Welt
- Die Regeln von Magie oder Technik, mit Grenzen und Kosten
- Die wichtigsten Orte mit Entfernungen und Reisezeiten
- Wer die Macht hat und was knapp ist
- Eine Zeitleiste mit Ereignissen und Geburtsjahren
- Klangregeln für Namen je Kultur
- Drei Alltagsdetails je wichtigem Schauplatz
10Häufige Fragen
Wie viel Worldbuilding braucht mein Roman?
So viel, dass Figuren glaubwürdig handeln und Regeln nicht gebrochen werden. Alles darüber hinaus kannst du beim Schreiben ergänzen, dort, wo die Geschichte es verlangt.
Brauche ich eine Karte?
Für dich als Autorin fast immer, sobald Figuren reisen. Ob sie ins Buch kommt, entscheidest du später; bei Fantasy erwarten viele Leserinnen eine.
Wie vermeide ich Infodumps?
Gib Informationen nur, wenn eine Figur sie in der Szene braucht, und zeige Regeln über Konflikte statt über Erklärungen.
